RC Alpinflieger - Rund um das Segelfliegen in den Alpen

Infos und Tipps für das fliegen am Hang und in den Alpen.


Vor der Fahrt zum Hang

Vor der Fahrt zum Hang – was brauche ich zum Alpinflug

Man sollte vorweg bei der Entscheidung Hangfliegen zu gehen bedenken, dass ein Flugtag länger dauern kann, ganz abgesehen von der Fahrstrecke zum Hang. Ist ein Modell einmal in der Luft, insbesondere bei den motorlosen Seglern, dann möchte man das ja so lange als möglich auskosten. Stundenlange Flüge sind am Hang leicht möglich. Daher muss man diverses vorbereiten.

Der Saison angepasst sind es Sonnenbrillen, eine Schirmkappe und Sonnenschutzmittel, die gute Dienste leisten und mitgenommen werden sollten. Auf jeden Fall sollte festes Schuhwerk verwendet werden, um für allfällige Modellbergungen gut zu Fuß unterwegs zu sein. Wenn stürmische Zeiten herrschen, dann macht Alpinflug besonders viel Spaß, und um das genießen zu können bedarf es angepasster, windundurchlässiger, eventuell auch wasserabstoßender Oberbekleidung und eventuell Motorradbrillen oder Ähnliches zum Schutz der Augen vor dem Wind. Ganz hart gesottene Piloten beschaffen sich für den Sender eine Schutzhülle damit ihre Finger warm bleiben. Die Senderschutzhülle leistet auch gute Dienste falls es tröpfeln oder schneien sollte. Dem Modell machen nach meiner Erfahrung nach kurzfristige Niederschläge nichts aus.

Zur Ausrüstung beim Alpinflug gehört Werkzeug und Zubehör für das Modell. Die für die mitgenommenen Modelle notwendigen Schraubenzieher, Zangen, Klebeband, Gummiringe und Klebstoffe gehören unbedingt dazu und Blei, um das Modell bei Bedarf schwerer machen zu können. Fernsteuertechnisch sind in heutigen Zeiten keine Ersatzquarze mehr (manchmal vielleicht doch?) notwendig, denn die meisten Piloten fliegen bereits mit 2,4 GHz-Anlagen. Befinden sich mehrere Modellflieger am Hang, ist bei Verwendung der 35 MHz-Frequenz unbedingt eine Umfrage wegen der Kanalbelegung durchzuführen!

Landet man zwischendurch, dann tut eine kleine Stärkung gut, gleichgültig ob Getränk oder Wurstbrot oder …. Unbedingt wichtig ist dann, dass wir die leeren Flaschen und das Butterbrotpapier etc. wieder mit nach Hause nehmen!
Noch etwas mit auf den Weg: Modellbergungen am Hang und in den Alpen können gelegentlich zu bergsteigerischen Ereignissen werden. Manchmal kann es bei Außenlandungen auch dazu kommen, dass man eine Handsäge oder ähnliches Werkzeug braucht, wenn ein entflogenes Modell in einem Busch oder Baum hängt und man es von dort herunterholen möchte. Eine lange Schnurr hat sich zum bergen auch als nützlich erwiesen.

Was man beim letzten Check vor der Abfahrt keinesfalls vergessen sollte zu kontrollieren:
Den aufgeladenen Sender (mit Antenne), und das/die Modelle samt dazugehörigen Akkus, Flügeln, Leitwerken, Kabinenhauben, Steckungsrohre usw !

Am Hang

Am Hang eingetroffen ist bei Erstflügen auf unbekanntem Terrain vorher eine kleine Begehung zu empfehlen. Da kann man sich entsprechend der Windrichtung umsehen wie es mit den voraussichtlichen Aufwind- und Sichtverhältnissen ist, ob Bäume irgendwo die Sicht beeinträchtigen, oder ob im Landebereich Bäume, Büsche oder Felsen sind, denen man allenfalls ausweichen muss. Auch der Startplatz ist zu wählen, von dem aus man das Modell günstig in den Aufwind starten kann. Danach kann das Modell zusammengebaut und eine abschließende Ruderfunktionsprobe vor dem Start durchgeführt werden.

Start

Bevor man startet prüft man die genaue Windrichtung in dem man etwas Gras abreißt und es in die Höhe wirft. Beim Fallen des Grases kann man genau sehen in welche Richtung der Wind weht. Früher hatte man auf den Senderantennen Woll-fäden oder Frequenzbändchen befestigt, die jederzeit die Windrichtung anzeigten. Besitzt ein Segler einen E-Motor, dann erfolgt der Start wie am Modellflugplatz. Ebenso ist die Hochstartmethode mittels Gummiseiles möglich. Standard ist jedoch der sogenannte “Wurfstart“, bei dem das Segelflugmodell ähnlich einem Speer nach vorne geworfen wird. Die Wahl des Startplatzes sollte nahe der Hangkante liegen. Damit gewinnt man mit einem Segler mit günstiger Gleitzahl einige wenige Meter Ausgangshöhe. Das genügt oft und das Modell kann ohne vorher am flachen Hang Bodenberührung gehabt zu haben fliegen, bis es schließlich an der Hangkante in den günstigeren Aufwind kommt. Bei normalem, steilerem Hanggelände und nahe einer guten Hangkante genügt es den Segler quasi “in den Wind zu schieben“. Für Segelflugzeuge mit Aufstiegshilfe (E-Motor) ist obiges natürlich kein Problem, denn nach wenigen Sekunden Motorlauf befindet sich das Modell im günstigen Aufwindbereich.

Vor einem Start stellt sich weiteres die Frage, ob man selbst griffbedingt das Segelflugmodell starten kann, auch dann wenn mehr und böiger Wind geht? Im Zweifelsfall oder wie bei Großmodellen ohnedies notwendig, muss man einen Helfer mit dabei haben. Das könnte ja auch ein zweiter Kollege sein, der gerade eine Pause einlegt. Der Start eines Großseglers erfolgt durch einen Helfer der das Modell am Rumpf unten ergreift und mit der anderen Hand an der Nasenleiste hält. Mit etwas Schwung wird das Modell mit beiden Händen dem Aufwind übergeben. Anders als bei den manchmal nervös wackelnde kleinere Modelle segelt das Großmodell in Ruhe hinaus in den Wind.

1. Optimaler Aufwindbereich, 2. Landezone, 3. Leebereich mit starken Turbolenzen und Abwinden


Für den Fall, dass man ein für den aktuell blasenden Wind wenig geeignetes Modell eingepackt hat oder der Wind zwischendurch auffrischt, muss man beim Start vorsichtig sein. Bei zu leichten und vom Profil eher langsamen (eher thermisch ausgelegten) Modellen gilt es zu beachten, dass das Modell nach dem Start voraussichtlich steil nach oben schießen wird und danach hinter den Startort “verblasen“ werden könnte. Ist man darauf vorbereitet, drückt man sofort nach und fängt das Modell gleich nach dem Start ab. Danach muss man das Flugzeug meist merklich tiefer trimmen oder sogar ständig gedrückt fliegen, um zu verhindern, nicht hinter den Hang geblasen zu werden und nach vorne wegfliegen zu können. Abhilfe gegen ständiges Drücken könnte eine passende Menge Blei in der Rumpfnase sein.

Gelingt es mit Leichtwindmodellen diese Starthürde zu überstehen, dann kann man durch das starke Aufwindfeld vor den Hang hinausfliegen und versuchen, dort im ruhigeren Aufwind in höhere Regionen vorzustoßen. Weiter draußen vor dem Hang oder höher oben ist die Windgeschwindigkeit geringer und die Strömung weniger stark verwirbelt, wodurch angenehmeres Fliegen möglich ist. Allerdings muss man bei der Landung damit rechnen, dass man wieder in das Starkwindgebiet einfliegen und dort landen muss. Das ist nicht so einfach aber spannend und eine modellfliegerische Herausforderung.

Wenn bei sehr starkem Wind (ab ca. 40 km/h) oder mit einem dafür ungeeignetem Modell trotz starken Drückens nicht mehr nach vorne geflogen, sondern annähernd nur die Höhe gehalten werden kann oder das Modell langsam sinkt, muss man ruhig bleiben. Das Modell ist, wie man jetzt unschwer erkennt, ungeeignet und fliegt jetzt in an sich in korrekter Fluglage und wird dabei langsam zur Hangkante zurückgeblasen (rückwärtsfliegen, horizontales Hovern J). Hier gilt es, das Modell genau mit dieser Methode zu Boden zu bringen. Mit geringsten Höhenruderausschlägen in Richtung Ziehen und allfälligen Korrekturen kann man erreichen, das Modell in einem stabilen Flugzustand zu halten, bis es schließlich am Boden aufkommt. Kurvt man ein, wird der Flieger unweigerlich irgendwohin verblasen, wird im Lee unsteuerbar und geht zuletzt verloren. In derart krassen Fällen nützt auch eine Ballastzugabe nichts, da muss man vernünftiger Weise einpacken und den Heimweg antreten. - Nachsatz: Bei derartigem Wind würde wohl niemand auf den Flugplatz gehen um zu fliegen, am Hang besteht aber die Möglichkeit mit passendem Gerät anstandslos Flug Spaß zu genießen. Das ist Modellflugsport für harte Männer!

Flug

Beim Hangfliegen ist es ratsam, dass man vor allem beim ersten Flug auf einem Hang die Aufwindbereiche mit dem Modell erfliegt, also jene Bereiche ausfindig macht, wo das Modell besser steigt, wo weniger gut oder gar nicht. Sollte der Wind nachlassen weiß man dann, wo man Aufwind erwarten kann. Empfehlenswert ist es, dass man die Aufwindverhältnisse zu Beginn jedes Flugtages auf ihre Ergiebigkeit hin testet. Das heißt z.B. soweit vor den Hang hinaus zu fliegen oder seitlich vom Standort wegzufliegen, bis der Auftrieb unsere Modelle nicht mehr steigen lässt. Dann ist es allerdings ratsam rasch umzukehren, möchte man eine Wanderung querfeldein vermeiden, um das Modell von irgendwo zu bergen. In Zeiten wie diesen haben viele Segelflugmodelle ohnedies Elektro-Aufstiegshilfen die totale “Absaufer“ verhindern und das Modelle rasch wieder auf Höhe bringen können oder in ein Thermikfeld an anderer Stelle.

Sollte der Aufwind einmal länger als uns lieb ist ausbleiben, dann beginnt es spannend zu werden, denn man muss trachten nicht zu tief zu sinken. Auch die Hoffnung beim Flug hinaus vor den Hang auf Aufwind zu treffen wird meist in dieser Situation nicht erfüllt. Daher muss man sich rechtzeitig entscheiden ob und wo man zu landen versucht. In jedem Fall sollte man die nötige Anflughöhe für einen Landeanflug als Entscheidungshilfe heranziehen. Unterfliegt man diese Höhe, muss man mit einer kaum bruchfreien Außenlandung im Gelände rechnen! - Das gilt vor allem für motorlose Segelflugmodelle, kann aber auch bei solchen mit Antrieb zum Tragen kommen.

ACHTUNG: An dieser Stelle wird darauf hingewiesen, dass bei Verwendung einer 2,4 GHz Fernsteuerung durch das Unterfliegen der Hangkante eine Situation ohne Sichtkontakt zum Modell entsteht, was gleichzeitig auch eine Unterbrechung des Funkkontaktes bedeutet und daher ein Absturz des Modells zu erwarten ist! Das gilt übrigens auch beim Hinter Fliegen von großen Bäumen, Baum- oder Buschgruppen, Maisfeldern udgl.

Betreffend das Erkennen von Aufwindströmungen helfen uns die Modelle und zeigen es an. Hebt der Aufwind oder eine Thermik z.B. die rechte Tragfläche, dann muss man maßvoll nach rechts einkurven, da sich dort voraussichtlich die Quelle eines Aufwindes befindet, die den Flügel nach oben drückt. - Es könnte jedoch auch der umgekehrte Fall eintreten, dass durch Abwind die linke Fläche abkippt und der Flug nach rechts nicht zum erwarteten Aufwind führt. Meist passt es jedoch mit dem Aufwind.

Hat man Aufwind gefunden, beginnt das Modell sichtbar zu steigen. Dann ist es ratsam ganz leicht zu ziehen, um den Aufwind besser auszunützen zu können. Das Ziehen muss aber gefühlvoll erfolgen, denn zieht man zu viel, wird das Modell zu langsam und die Strömung reißt ab, der Flieger kippt ab und man verliert vielleicht wichtige Meter an Höhe. Bei längeren horizontalen Flügen ist besonders zum Ausgang der Kehrtwende hin, leicht zu ziehen, um a) keine Höhe zu verlieren oder b) gewonnene Fluggeschwindigkeit in Höhengewinn umzusetzen.

Um bei stärkeren Winden fliegen zu können ist es notwendig mit einem schweren Modell oder mit einem Modell mit einem schnellen Flügelprofil zu fliegen. Manchmal gelingt es bei mittleren Windstärken ein Allround-Modell mit Ballast auszustatten, um trotz tief getrimmtem Modell gegen starken Wind vorankommen zu können.

Aerodynamisch gilt es in Fällen starken Tiefentrimms zu bedenken, dass das Modell zu unterschneiden beginnen kann, also unter normalen Flugbedingungen in eine sturzflugähnliche Bahn gerät und sehr schnell wird. Das Abfangen muss dann rasch aber sehr feinfühlig erfolgen, denn andernfalls kann es zum Flügelbruch kommen oder das Modell schlägt am Boden auf. Hier hilft Bleizugabe in der Rumpfspitze, weshalb die Tieftrimmung zurück genommen werden muss.

Steuern am Hang

Für den Alpinflug braucht es eine andere Trimmeinstellung als beim Flug in der Ebene, nämlich eine aufwindabhängige Höhenruder Gundtrimmung des Modells, die man im Flug unmittelbar nach dem Start vornimmt. Bedingt durch die wechselnden Aufwindstärken ist jedoch darüber hinaus eine ständige Steuerung des Höhenruders notwendig. Quer- und Seitenruder sind deutlich weniger arbeitsintensiv. Ein wichtiger Punkt ist auch die Flugweise der Kurven, die darauf ausgerichtet sein soll, keinen Höhenverlust zu haben. Das erreicht man in dem man, vor allem in niedriger Höhe, die Kurve grundsätzlich immer vom Hang weg fliegt.

Bei konstanteren Winden fliegt man, wie schon erwähnt, entlang der Hangkante, kehrt um und fliegt die ganze Länge wieder zurück usw. Wie auch zuvor bereits angeführt zieht man in den nicht zu engen Kurven und/oder eventuell kurz danach gefühlvoll am Höhenruder, damit man das Modell zum Steigen bringt. Gerät man in ein starkes Aufwindfeld, steigt der Flieger plötzlich nach oben, sodass man rasch aber mit Gefühl nachdrücken muss, um wieder in den Horizontalflug zu kommen um die Strömung am Flügel nicht abreißen zu lassen. Von alleine fliegt das Modell am Hang nicht bzw. wenig!

Meine Modelle trimme ich so, dass ich das Modell im Querabflug so einstelle, dass es gerade nicht die Höhe hält. Danach halte ich den Steuerknüppel ständig und passe damit das Höhenruder an die Flugbedingungen an. Lasse ich den Knüppel aus, nimmt das Modell langsam Fahrt auf und bleibt somit sicher steuerbar. Trimmt man das Modell auf Halten der Höhe, dann muss man am Kurvenende meist nach-drücken, um die Überfahrt abzubauen. Andernfalls kann es zum Aufbäumen des Modells kommen und zum Strömungsabriss. Aber dazu hat jeder Modellpilot seine eigene Idee und Methode, wie er sein Modell trimmt und fliegt.

Diese ständigen Korrekturen der Fluglage stellen übrigens meiner Meinung nach eine brauchbare Möglichkeit der Flugschulung dar. Ein Segelflugmodell eignet sich am Beginn einer Modellfliegerlaufbahn am ehesten, um Gefühl für das Fernsteuern zu entwickeln. Üblicher Weise fliegen Beginner ja am Modellflugplatz, das Flugmodell hoch über sich am Himmel, wo die Reaktionen auf Ruderbefehle nur beschränkt erkennbar sein. Der Vorteil am Hang liegt für Beginner darin, dass man das Modell meist vor sich in Augenhöhe fliegen sieht, wodurch die Auswirkungen der Steuerbefehle sehr gut beobachtet werden können. In jedem Fall sollte ein erfahrener Pilot beiseite stehen.

Fliegt man thermisch, geht es oft sehr rasch aufwärts und die Freude am rasanten Steigen schlägt ab einem gewissen Punkt in Sorge um, spätestens dann, wenn das Modell immer kleiner und kleiner wird. Modelle ohne Stör- oder Wölb-/Bremsklappen sollten dann nicht durch Drücken in einen Sturzflug gebracht werden. Hier bietet sich der “Spiralsturz“ an, ein mit wenig Seitenruder gesteuerter Kurvenflug, bei dem es zum Abbau der Höhe kommt, ohne dass man Tiefenruder steuern muss. Mehr Seitenrudereinsatz bedeutet einen engeren Kurvenradius und höhere Fluggeschwindigkeit. Mit dem ständig gesteuerten Seitenruder kann die Sinkrate und die Fahrt gut eingestellt werden. Wie bei jedem Sturzflug ist hier besonders feinfühlig und mit etwas Geduld abzufangen. Das bedeutet, dass das Quer- oder Seitenruder nur langsam zu neutralisieren ist, bis man eben die gewünschte Flughöhe erreicht hat. Es wird danach meistens notwendig sein, das durch den Kurvenflug schnell fliegende Modell mittels Höhenruder abzufangen.

Für schnelle Modelle ist eine eher dynamische Flugweise üblich. Die dynamische Flugweise bedeutet, dass man den einem Modell innewohnenden Schwung beim Fliegen ausnützt. Im Aufwind wird dazu erst mal etwas Höhe erflogen und Fahrt aufgenommen. Danach kann begonnen werden, das Modell in einer eher steilen Kehrt Kurve hochzuziehen und danach abschwingen zu lassen, wobei es Fahrt und Schwung aufnimmt. Dann folgt ein mehr oder weniger langer flotter Horizontalflug der dem Modell ausreichend Fahrt lässt, damit es wieder in eine hochgezogene Kehrt Kurve geflogen werden kann. Das wiederholt sich immer wieder. Manchmal fliegen dann Piloten mit dem pfeifenden Modell knapp vor sich vorbei und gefährden sich selbst und andere die in ihrer Nähe stehen. Leider sind nämlich auf dieser Welt aber Fehler und Steuerungsausfälle nicht zu verhindern, sodass diese Flugweise abzulehnen ist. Kunstflug ist natürlich auch mit Segelflugmodellen möglich. Dazu bedarf es günstiger Windverhältnisse die das Modell ohne große Anstrengungen immer wieder am Himmel halten. Je nach Aufwindintensität können die Figuren nur in Windrichtung oder bis hin quer zur Windrichtung geflogen werden. In der Praxis erkennt man rasch was möglich ist. - Bei dieser Alpinflugart können die Figuren so geflogen werden, dass dazwischen das Modell wieder auf ausreichende Höhe gebracht werden muss, bevor die nächste Figur begonnen werden kann. Man kann aber bei günstigen und weiträumigen Aufwinden mit Hilfe einer dynamischen Flugweise auch zwei Figuren hintereinander fliegen.

Beispielsweise wird für einen Looping in größerer Höhe in Richtung weg vom Hang angeflogen und ein gesteuerter Sturzflug, im Winkel von etwa 45 Grad nach unten durchgeführt. Nachdem der Segler (gefühlsmäßig) ausreichend Fahrt aufgenommen hat, kann gezogen werden und mit dem Höhenruder der Durchmesser des Loops eingestellt werden. Damit das Looping schön wird, muss man darauf achten, dass genügend dynamische Energie im Modell vorhanden ist, damit es zügig über den oberen Scheitelpunkt darüber kommt. Auch hier ist eine dynamische Flugweise notwendig, welche die im Modell gespeicherte Energie wieder in Fahrt und Höhe um-setzt. Ähnlich verhält es sich bei Rollen, für die je nach Qualität des Kunstflugseglers viel Fahrt aufgenommen werden muss. Fliegt man die erste halbe Rolle, dann dreht der Segler noch gut. Allerdings quälen sich die meisten Modelle in der zweiten Hälfte, um noch mit dem letzten Drehschwung wieder in Normalfluglage zu kommen. Auch hier ist es die hohe Fluggeschwindigkeit und die im Modell gespeicherte Bewegungsenergie (durch hohes Gewicht) die das Modell benötigt, damit es den Luftwiderstand des überwinden und Fahrt behalten kann, um ordentlich die Rolle durchdrehen zu können.

Die für jedes Modell und jede Figur notwendige Fluggeschwindigkeit muss man erfliegen. Ganz wichtig ist daher, dass das verwendete Modell für Kunstflug konstruiert und ausgelegt ist und ein relativ hohes Gewicht hat. Ein Beispiel: Mein Fox hatte 4,7m Spannweite und 13 kg Gewicht – und das war zu leicht, sodass mir nur Loopings mit relativ geringem Durchmesser gelangen.

Bei allen Figuren ist zu beachten, dass sie ausreichend weit vor dem Hang geflogen werden. Andernfalls könnte es dazu kommen, dass z.B. beim Ausflug aus einem Abschwung in Richtung zum Hang geflogen, der Hang im Weg sein könnte! - Autsch! Im Notfall kann hier nur eine halbe Rolle helfen, um wieder in Normalfluglage zu kommen und gleich anschließend mit einer Kurve wieder in den Wind zu drehen.

Landung

Landungen sind immer problematisch, am Hang bringen sie noch weiteres Ungemach mit sich. Hier muss man sich vorher überlegen wie und wo man mit Bezug auf die Geländegegebenheiten landen möchte. Die Einteilung des Landeanfluges darf nicht zu weiträumig erfolgen, da man in diesem Fall in den Abwindbereich (Lee) des Hanges gerät! Weiträumige Landeanflüge wie am Modellflugplatz sind nicht ideal.

Ist die Landefläche hinter der Hangkante eine halbwegs ebene Fläche, kann man wie vom Modellflugplatz her gewöhnt, “von hinten kommend“ anlanden. Allerdings darf man dabei nicht in zu niedriger Höhe hinter den Aufwindbereich einfliegen, da das Modell in diesem Leebereich schlecht steuerbar ist. Um derart zu landen muss hoch angeflogen und relativ steil zu Boden gesteuert werden, damit durch die hohe Fluggeschwindigkeit die Ruder im Leewirbel wirksam bleiben. Oft schießt man dann aber wieder hinaus in den Aufwind und muss die Landeprozedur wiederholen. Es ist zu empfehlen sich für die Landung Zeit zu nehmen und so lange anzufliegen, bis der richtige Anflug gefunden worden ist. Eilige haben nur Glück – oder ein beschädigtes Modell. - Ich spreche aus Erfahrung und empfehle: Üben, Üben und Üben.



Etwas einfacher stellt sich die Sache dar, landet man, wenn vom Platzangebot her möglich, im Aufwindbereich seitlich an. Man lässt das Modell bereits in niedriger Höhe, etwa 5 Meter, vom Wind seitlich an den Hang herantreiben. Das Modell bleibt gut steuerbar und wird im Querabflug zum Wind auch nicht zu schnell. Die Landung erfolgt dann wie gewohnt.

Gibt es z.B. wegen einer Bewaldung hinter dem Startort kaum Möglichkeit gegen den Wind anzulanden und ist auch seitlich das Terrain wegen Bewuchs oder Steinen usw. ungünstig, muss man gegen den Hang bergauf landen. Das klingt ungewohnt, ist aber in der Praxis nicht ganz so schwierig, weil man ja genau sieht wie weit weg das Modell ist und wie hoch vom Boden entfernt. Hier ist von der Verwendung von aufgestellten Stör- oder Bremsklappen abzuraten, da durch die vergrößerte Angriffsfläche der Hangwind das Modell anschiebt. Im letzten Moment zieht man und setzt das Modell auf.

Für ähnliche Situationen gibt es noch eine weitere Möglichkeit, die vor allem bei stärkerem Wind anwendbar ist. Man stellt dazu das Modell so in den Wind, dass es quasi in der Luft steht. Durch sehr feinfühliges Ziehen vergrößert man den Anstellwinkel bis das Modell in den ungünstigen Auftriebsbereich der Tragfläche kommt und zu sinken beginnt. Meinen Erfahrungen nach wird es allerdings in einer Höhe von ca. 3 Metern wegen allfälliger Verwirbelungen über dem Boden heikel. Dann sollte man so weit sein, dass man das Modell durch leichtes Drücken im Vorwärtsflug am Boden aufsetzen kann.

Dynamischer Segelflug - Dynamic Soaring

Dynamischer Segelflug ist eine Flugtechnik, bei der ein Vogel oder ein Flugzeug aus der Windscherung, also einem nicht konstanten Windfeld, Energie gewinnen kann. Hierbei versucht der Vogel oder der Pilot des Flugzeugs, die Flugbahn so zu wählen, dass der Energiegewinn (infolge der Windscherung) den Energieverlust (infolge des Strömungswiderstands) im zeitlichen Mittel übertrifft.



Ein einfaches Modell, an dem sich das Funktionsprinzip des Dynamischen Segelflugs erklären lässt, besteht aus zwei Luftschichten mit unterschiedlicher Windgeschwindigkeit: Das Flugzeug fliegt darin zyklisch von einer Schicht in die andere und durchstößt wiederholt die Trennschicht zwischen den Luftschichten. Weiter unten wird dieses Zwei-Schichten-Modell genauer beschrieben. (Quelle: Wikipedia.org )